Der richtige Fahrradanhänger

Wer wie wir in der Stadt lebt, der wird die Vorzüge des Fahrrads kennen: Man ist flexibler und oft schneller unterwegs als mit den Öffis, spart sich das Im-Stau-Stehen und die Parkplatzsuche. Außerdem ist es günstiger als Autofahren und gut für die Fitness.

Das gilt natürlich nicht nur in der Stadt, aber hier in Salzburger Verkehrskollaps wird besonders deutlich, was ich meine, wenn man die durchschnittlichen Wegzeiten quer durch die Stadt vergleicht. Mit dem Rad schaffe ich den Weg zur Arbeit in der Hälfte der Zeit, die ich mit dem Bus brauche (ca.15min vs. ca 25min) und bin immer noch 5min schneller als mit dem Auto. Ohne Stau versteht sich, denn mit sind es schon mal 30 min für knapp 5km Strecke mit dem Auto.

Wenn dann der Nachwuchs da ist, ändert sich plötzlich alles. Gerade ganz am Anfang ist an Radfahren mit dem Zwerg nicht zu denken. Gerade für mich als begeisterten Mountainbiker war das nicht ganz einfach. An richtiges Mountainbiken war sowiso erstmal nicht zu denken und auch der Kindersitz für den Stadtverkehr würde noch mindestens 1 Jahr warten müssen, bis der Zwerg stabil sitzen könnte. ALSO NOCH EWIG! Aber es tat sich bald ein Licht am Ende des (Fahrrad-)Tunnels auf: Ein Radl-Anhänger ist die Lösung!

Der Croozer hatte zwar ordentlich Stauraum, aber sobald die Hängematte weg musste für unseren Gebrauch zu rumpelig

Unsere Einstiegsdroge war ein Croozer Kid for One. Wir kauften unseren gebraucht mit „Vollausstattung“, d.h. inkl. Babyhängematte, Buggyrad, Joggingrad und 2 Kupplungen für die abenhembare Zugstange. Nur eine Spezial-Achse für’s Mountainbike musste her, weil die Kupplung freilich nicht mit modernen Steckachsen (Maxle, Syntace X12, Thrubolt und so wieter). Ein praktisches Multifunktionsteil, das mit Buggyrad auch mal ohne Fahhrad bewegt wurde – meistens zum Einkaufen mit little Mo. Auch längere Radtouren waren mit dem Croozer kein Thema – zumindest solange man sich auf gut gewarteten, asphaltierten oder extrem fein geschotterten Wegen bewegte. Mo konnte schauen – oder dank bequemer Hängematte auch mal die Augen ausruhen.

Das hätte jetzt auch das (happy) Ende unserer Suche sein können. Leider wurde die fehlende Federung des Anhängers immer spürbarer, je größer Mo wurde. Das galt natürlich in erster Linie für Mo, denn als er zu groß  für die Hängematte wurde, bekam er die Schlaglöcher viel direkter mit. Aber auch für uns wurde die ungefederte Masse immer anstrengender zu bewegen. Jeder Schlag bremst quasi einseitig, verpasst dem Anhänger einen Drehimpuls und lässt das Gespann spürbar langsamer werden.

Außerdem: Mit einem Fully am asphaltierten Radweg fahren ist nicht nur ein veritabler Overkill, sondern auch ziemlich fad.

Also recherchiererte ich kräftig in alle Richtungen:

Anhänger-Variante mit Federung kaufen?

Hier staunte ich nicht schlecht, was die namhaften Hersteller wie Thule, Croozer, Burley und Leggero für ihre gefederten Modelle aufrufen: 850€ bis 1400€ UVP sind schon eine Hausnummer. Einzig Queridoo bot hier eine günstigere Alternative – das gefederte Topmodell Sportrex gibt’s schon für etwas über 400€.

Federung nachrüsten?

Gibt’s für den Croozer als Nachrüstsbausatz  – hergestellt in der Tschechischen Republik von Dogy Components um ca. 100€ -115€. Die Sets sind sehr schön aus Stahl oder Aluminium gefräst und erfordern keine strukturellen Änderungen (Bohren, Sägen, o.ä.) am Croozer. Die Montage sollte jeder hinbekommen, der den Croozer aufbauen kann. Die Federung kann durch einfaches Umhängen der Feder eingestellt werden. An sich ein feine Lösung, besonders für den Zweisitzer.  Wer gerne bastelt und den ungefederten Croozer schon hat, der sollte sich das Produkt mal anschauen – zumal der Preisunterschied zum gefederten Croozer 200€ beträgt.

Ballonreifen installieren?

Das ist tatsächlich eine relativ günstige und effektive Lösung, zweirädrige Anhänger von Croozer, Thule, Chariot oder wie sie alle heißen komfortabler zu machen. Der Trick: Durch das viel höhere Volumen der Reifen im Vergleich zur Serienausstattung kann man sie mit viel niedrigerem Luftdruck fahren als ihre schmalen Verwandten, und das bei etwa gleichem Rollwiderstand. Die fetten Reifen schlucken kleinere Unebenheiten weg – und dass schon ab 15€ pro Reifen bei Selbstmontage. Die Modelle „Big Ben“ und „Big Apple“ von Schwalbe sind hier beliebte Varianten, da sie auch ein sehr leicht rollendes Profil aufweisen.

Umfallgefahr

Der Nachteil aller genannten Lösungen: Zweispurige Anhänger eignen sich nicht wirklich für Fahrten im Gelände mit dem Mountainbike. Durch den zweirädrigen Aufbau neigen auch die gefederten Varianten gerade bei etwas höheren Geschwindigkeiten und unvorhergesehenen Schlaglöchern zum Kippeln, Hüpfen und können im schlimmsten Fall sogar Umkippen. Daher empfiehlt der Hersteller der Croozer-Anhänger Kurven nur mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren.

Wenn sich der Anhänger also in die Kurve legen könnte…

Die einzige wirkliche Lösung des Dilemmas Mountainbike mit Anhänger stellen (meines Wissens nach) einspurige Anhänger dar. Derzeit sind diese von Tout Terrain und KoloFogo verfügbar. Für den Tout Terrain fallen etwa 1350€ an, gebraucht gibt’s den Singletrailer um 850€ zu haben. Der vergleichbare KoloFogo kostet hier „nur“ 899€. Auch aufgrund des Preises haben wir uns fü den KoloFogo in der Leichtbauvariante Tahoe entschieden. Auch dieser ist voll geländetauglich und mit bis 200mm Federweg üppig ausgestattet. Das Sport-Modell wiegt nur etwa 11kg und ist im Vergleich zum ca. 16kg schweren Croozer KidforOne Plus und dem etwas leichteren Thule Chariot Sport 1 (14kg – Einsitzer) ein echtes Leichtgewicht. Nur der Tout Terrain Singletrailer ist mit 9,6kg (ohne Zugstange und Kupplung) nochmal deutlich leichter.

Unser dynamisches Duo im Wald.

Im Gegensatz zum Tout Terrain lässt sich der  KoloFogo aber mit 12-Zoll-Kinderwagenrädern, 14-Zoll Skating-Rädern und Scheibenbremse nachrüsten und ist damit auch alltagstauglich. Auch eine Babyschale und ein Laufrad sind gegen Aufpreis zu haben. Der Hersteller bietet diese Upgrades als eigene Modell auch im Set an. Pavel, der Gründer vom Hersteller RedFleck ist zudem extrem lösungs- und serviceorientiert.

Wir sind bisher sehr zufrieden mit unserer Wahl, auch wenn wird den Anhänger bisher nur in sanftem Gelände testen konnten. Er lässt sich super beschleunigen und die Kurvenlage ist ein Traum – kein Vergleich zum 2-spurigen Anhänger. Das Anhängen gestaltet sich etwas komplizierter, was für uns aber verschmerzbar ist.
Sobald mehr geht gibt’s natürlich ein ausfühliches Review. Ihr dürft gespannt sein, ich bin es auch 🙂

2 Kommentare bei „Der richtige Fahrradanhänger“

  1. […] lieber ein Anhänger? In unserem Artikel „Der richtige Fahrradanhänger“ haben wir unsere Entscheidungsfindung […]

  2. Top post!

    Kannst du Vor uns Nachteile zwischen dem Tout Terrain und dem Kolofogo auflisten?

    Tt
    -etwas leichtet

    KF
    Auch als Kinderwagen nutzebar

    Gibt es weitere?

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