Ein perfektes Mountainbike zum Shredden mit Kids

Das perfekte (passende) Bike. Ein Traum. Viele von uns Bike-Verrückten investieren Jahre ihres Lebens und ein kleines Vermögen – immer getrieben von der Vorstellung, das perfekte Rad noch zu finden.
Und dann hat man plötzlich Kinder – und versucht den vielleicht besten Zeitvertreib der Welt mit dem vielleicht zweitbesten unter einen Hut zu bringen.

Wer – wie ich – mit dem MTB-Virus infiziert ist, kann sich vorstellen, dass man gerne unverhälnismäßig viel Zeit und Hirnschmalz (und auch Geld) in die Hand nimmt um den Traum vom gemeinsamen Trail-Shredden umzusetzen. Für den Anfang gibt es hier vom MTB-Sitz über den Trail-Anhänger bis zum Abschleppsystem für die Kleinen einiges, was Spaß macht (und das Konto leichter 😉 ).

Das richtige Bike

Die gute Nachricht zuerst: Du brauchst Dir für deinen Nachwuchs zum 2. Geburtstag kein (fiktives) vollgefedertes Carbon-Fully-Laufrad vom Mund absparen. Aber: Wenn ihr mit eueren Sprösslingen Biken gehen wollt stellt sich die Frage: Passt mein Bike eigentlich zum Anwendungszweck? Während die All-Mountain-Touren-Fahrer unter euch wahrscheinlich nur mit den Schultern zucken, dürfte dem einen oder anderen klar werden, dass der Downhiller oder die gewichtsoptimierte Carbon-Crosscountry-Rennfeile eher im Keller bleiben dürften. Aber auch bei der allseits beliebten eierlegenden Wollmilchsau Enduro ist einiges zu beachten, damit die Ausfahrten für euch und eure Nachwuchsbiker nicht zum Frust werden.

Im Nachfolgenden findet ihre meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken zur Auswahl des richtigen Bikes; das meiste durfte ich durch Trial-and-Error lernen ;).

1. Der Rahmen sollte für Anhänger freigegebeben sein.

Auch wenn wir (Mo und ich) unsere Frontsitze (Thule Yepp nexxt mini, Mac Ride) cooler finden, auf längere Touren braucht es einen Anhänger. Abgesehen vom Tout Terrain Singletrailer und KoloFogo werden wohl alle derzeit erhältlichen Anhänger irgendwie an der Hinterachse befestigt. Damit fallen ultraleichte Carbon-Rahmen eher raus, frag aber im Zweifel immer mal lieber beim Hersteller nach. Steckachsen am Hinterrad sind übrigens kein Problem, die gibt es eigentlich für alle Anhängerkupplungen und Achsstandards zum Nachkaufen. Leider geben auch viele Hersteller ihre Fullies nicht für den Anhängerbetrieb frei, obwohl sie es wohl im Alltagsbetrieb problemlos aushalten.

Ich bin beim Enduro-Hardtail aus Stahl hängengeblieben.

2. Gleiches gilt für die Montage von Kindersitzen hinten.

Ja, stimmt schon. Wenn man einen Kindersitz am Rahmen montiert fragt man besser beim Hersteller nach. Aber seien wir uns mal ehrlich: Ein hinter dem Sattel montierter Kindersitz hat am MTB eigentlich nichts verloren. Schon garnicht am Fully. Auch wenn’s theoretisch geht. Das Kind wird durchgeschüttelt, sieht nichts (außer Papa’s oder Mama’s Hintern) und ist eigentlich nur passiver Passagier. Für die vorne montierten Kindersitze (Yepp nexxt Mini) gilt meist: Lieber nicht am Carbonrahmen.

3. Genug Platz unterm Vorbau

Für die meisten Frontkindersitze brauchst Du etwa 10 – 20mm Platz unterm Vorbau zur Montage. Beim Mac Ride ist es etwas weniger, eim Thule Yepp Nexxt Mini etwas mehr. Der Gabelschaft sollte also noch nicht zu stark gekürzt sein. Ausnahmen sind hier z.B. der Kids Ride ShotGun Kindersitz, der direkt am Rahmen befestigt wird.

4. Besser eine moderne Geometrie

Das Oberrohr sollte eher etwas länger sein, wenn ihr vorhabt einen Frontkindersitz zu nutzen. Sonst stößt man beim Treten mit den Knien an oder muss Fahren wie ein Cowboy. Das geht arg auf die Knie und macht garnicht so viel Spaß. Ein Bike mit Boost Standard (148mm+ Kurbelabstand; fast alle modernen Bikes) macht hier auch Sinn, weil der Q-Faktor (Abstand der Füße) höher ist und so auch die Knie minimal nach außen wandern ohne einen merkwürdigen Winkel zu den Füßen zu haben.

5. Vario-Sattelstütze

Egal ob Anhänger oder Frontsitz: Eine Vario-Stütze ist eigentlich ein Muss. Was normal beim Biken schon gefühlt unersetzlich geworden ist, ist mit Filia oder Filius auf dem Frontkindersitz imperativ. Egal ob Aufsteigen oder Anhalten: Ohne Vario-Stütze ist einfach zu wenig Platz da. Und das Bike seitlich zu kippen fällt wegen des höheren Schwerpunkts mit sitzendem Kind eh aus. Wer also noch ein Argument sucht sein Bike mit einer Vario-Sattelsütze auszustatten: hier ist er.

Innenverlegte Ansteuerung

Sinnvoll ist außerdem ein Modell mit im Rahmen verlegten Zügen oder kabelloser Ansteuerung (z.B. Magura Viron eLect, RockShox Reverb ASX).
So ist die Montage von Anhängerkupplungen von Tout Terrain Singletrailer oder KoloFogo problemlos möglich und auch mit dem Mac Ride tut man sich auch leichter.

6. Kind- und Elterngerechter Antrieb

Die 11-46 SLX 11-fach reicht gerade eben, 10-52 wäre aber wohl sinnvoller.

Eine möglichst breite Übersetzung mit eher kleinem Kettenblatt verhindern, dass euch beim ersten Anstieg mit Kind am Bike die Waden abfallen. Beim Downhill mittreten werdet ihr mit Kind an Board eh nicht – versprochen. Umgekehrt ist auch der Wiegetritt bergauf eigentlich keine Option.
Ein 1×12-fach oder 1x11fach Antrieb mit 28er oder 30er Kettenblatt macht hier Sinn. Oder eben ein E-Bike (Pedelec).

7. Federung

Hardtails sind effizienter und – wenn nur ein Anhänger gezogen werden soll – auch unkomplizierter. Anders schaut die Sache aus, wenn die Kleinen im Sitz mitfahren. Da die meisten 2-Jährigen ja noch keine aktive Fahrposition haben, werden sie beim Offroadfahren mit Sitz arg durchgeschüttelt. Also entweder Fully fahren, oder das kleine 1×1 der Fahrtechnik gleich mit vermitteln.

8. Bremsen (!)

Man kann nie genug Bremspower haben. Punkt. Das gilt im besonderen, wenn ihr einen Anhänger mit Sprössling dabei habt. Was bergauf die Beine quält, bringt bergab schwache Scheibenbremsen an ihre Grenzen. Wenn das Systemgewicht plötzlich von 80kg auf 120kg wächst, überhitzen die Bremsscheiben viel schneller und die Bremsen fangen an zu faden. Und dann lässt die Bremskraft nach. Größere Scheiben (203mm+) und ggf. Bremsbeläge mit Kühlrippen bringen hier Abhilfe. Scheibenbremsen kannst du aber recht kostengünstig aufrüsten (Bremsscheibe + Adapter + ggf. Bremsbeläge).

9. Spaß haben!

Auch wenn ich für uns (für den Moment) das scheinbar perfekte Bike gefunden hab – am Ende zählt, dass Du und dein Nachwuchs mit einem breiten Grinsen und lautem Gejohle Trails, Waldwege oder auch „nur“ die Radwege unsicher macht. Wer zu viel sucht, fährt zu wenig. Also: Rauf auf’s Bike – ihr werdet es nicht bereuen!

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4 Kommentare bei „Ein perfektes Mountainbike zum Shredden mit Kids“

  1. Wie krass, ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass Leute mit Kindern mountainbiken – und dass es dafür sogar spezielle Ausrüstung gibt oO

    Bei den Frontsitz-Fotos wundere ich mich: Stößt da nicht das Kind mit seinem Kopf/Helm ständig an das Kinn des fahrenden Elternteils? Das war für mich schon auf dem Citybike immer der ausschlaggebende Punkt contra Frontsitz, dass ich mir nicht versehentlich die Zunge abbeißen wollte. Und beim MTB beugt man sich ja noch deutlich tiefer über den Lenker…?

    Bin schon gespannt auf die coolen MTBs, die eure Kids dann selbst lenken!

    LG
    Jenny

  2. Richtig genialer Artikel, vielen Dank für das Teilen eurer Erfahrungen ❤️

    1. Danke für das Lob. Freut uns sehr. Schau mal wieder vorbei, es kommen sicher noch ein paar Erfahrungen dazu 🙂

  3. Wir fahren ein Tagabike Hybridrad. Is nur nix für Offroad, aber das mach ma eh ned. Ich finde es so vielseitig einsetzbar, als Buggy, als Rad für 2 oder 1 Kind und Anhänger könnt auch noch dran.

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