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Langzeitreview: Croozer Kid Keeke 2 am Mountainbike

von Tom

Der Kid Keeke 2 ist unser dritter Biketrailer, und er ist anders als seine Vorgänger. Er ist größer, schwerer, breiter – und unser erster Zweisitzer. Als die Zwillinge im Anflug waren, wurde mir schnell bewusst, dass wir uns von unserem einspurigen Trailanhänger KoloFogo trennen mussten – ein Sitz ist einfach zu wenig für 2 anspruchsvolle Mitfahrer. Leider gibt es keinen mir bekannten Zwillings-Trailanhänger, daher musste dass doch ein klassischer zweirädriger (gefederter) Anhänger her.

Warum der Kid Keeke 2 von Croozer?

Auch wenn der Croozer Kid Keeke 2 auf den ersten Blick kein Schnäppchen ist, verspricht er mit seiner Elastomer-Federung ausreichend Komfort für etwas rumpeligere Radwege und Forststraßen, ohne zuviel an Gewicht zuzulegen. Er bringt außerdem ein vielseitiges Gesamtpaket mit – zumindest für alle, die in erster Linie einen Fahrradanhänger suchen.

Das Paket des Kid Keeke 2 ist mit Deichsel, Kupplung und abnehmbaren Buggyrad vollständig, vorausgesetzt man hat ein Fahrrad mit etwas eingestaubter 9mm Schnellspanner oder Schraubachse.
Alle modernen Mountainbikes, und insbesondere E-Bikes setzen hier auf 12mm Steckachsen. Hier braucht ihr noch zusätzlich eine neue Steckachse mit 10mm Kupplungsadapter. Dazu werde ich noch einen separaten Artikel veröfentlichen.

Der Croozer Kid Keeke 2 punktet außerdem mit einem recht großen Stauraum.

Einsatzbereich: Vielschichtig

Im Alltag verwenden wir den Croozer oft auch als wendigere Kinderwagen-Alternative mit mehr Stauraum. Er löste unseren Zwillingskinderwagen ab, nachdem die Minis sich langsam aber sicher auf einen Mittagschlaf pro Tag geeinigt haben.

Von der Fahrt zum Spielplatz bis zum kleinen Wocheneinkauf, Mo mit dem Fahrad in den Kindergarten begleiten oder die Kleinen in der Krabbelstube abliefern: In meiner Elternzeit ist der Croozer fast immer dabei. Ob ich ihn dann joggend vor mir herschiebe oder am Hardtail-Mountainbike anhänge, entscheide ich meist spontan.

Joggen mit dem Kid Keeke 2

Offiziell ist der Croozer Kid Keeke 2 nicht zum Joggen freigegeben – ihm fehlt die Handbremse, die man leider auch nicht nachrüsten kann. Der Hersteller argumentiert aber, dass der Keeke 2 wegen des niedrigen Schwerpunkts und der stabilen Sicherheitszelle trotzdem zum Laufen genutzt werden kann. Ich nutze ihn häufig zum Joggen, wenn auch eher zum Supermarkt, oder neben Mo auf dem Kubikes 16. Dabei war der Croozer immer sehr stabil, nur das Bremsen mit voller Beladung und ohne Handbremse will gelernt sein. Außerdem rappelt das harte Buggyrad wie ein Schwarm paarungswilliger Moskitos. Da die Schubstange nur in zwei verschiedenen Stufen umsteckbar ist, passt die Höhe wohl nur wenigen wirklich gut.

Biken in der Stadt mit dem Kid Keke 2

Der Croozer Kid Keke 2 ist etwas schmäler als seine 2-sitzigen Vorgänger und mit 800mm nur unwesentlich breiter als mein Lenker am Hardtail. So lässt es sich recht souverän durch vermeindliche Engstellen manövrieren. Die gut sichtbare orange Flagge und das mitgelieferte (einfache) LED-Rücklicht machen andere Verkehrsteilnehmer (meistens) gut aufmerksam. Dank der Elastomer-Federung und dem breiten Radstand sind auch mittelhohe Boardsteine (sehr sachte) machbar.

Einkaufen mit dem Kid Keeke 2 – Viel Stauraum und schwieriger Schwerpunkt

Der Kid Keeke 2 biete mit 52l Stauraum und 45kg maximaler Zuladung gute Vorraussetzungen um auch mit den Kleinen mal schnell einkaufen zu fahren – und das Auto trotzdem stehen zu lassen. In den Kofferaum geht einiges rein, allerdings macht es Sinn kleinere Teile in separate Stofftaschen zu packen, damit sie sich nicht im ganzen Anhänger verteilen.

Trotz seiner zwei Sitzplätze ist er noch gerade so schmal, dass er durch alle Türen und Supermarktkassen passt (oder passen sollte: Einige Diskounter sparen hier soviel Platz, dass auch Rollstuhlfahrer nicht ohne weiteres durchkommen würden…).

Als Einkaufsbuggy: Kentergefahr!

Fast gefährlich ist allerdings das Aussteigen bei vorhandener Zuladung: Wenn der Anhänger voll ist, oder ein schwereres Teil sehr weit hinten verstaut ist, macht der Keeke 2 „Männchen“, wenn die Kids rausklettern. Blöd, wenn dann noch ne Glasflasche aus dem Kofferaum fällt. Der Schwerpunkt des Keeke 2 scheint ziemlich genau über der (imaginären) Radachse zu liegen, was toll ist, wenn der Anhänger als Kinderwagen verwendet wird, und so z.B. recht leichtfüßig über Bordsteinkanten bewegt werden kann. Saublöd ist der Schwerpunkt allerdings, wenn die Kleinen unterwegs spontan aussteigen und man/frau beim Versuch sie vor den Autos zu retten vergisst, dass der Keke 2 mit Zuladung Männchen macht. So landet im besten Fall ein Teil des Einkaufs am Boden, im blödesten Fall stößt einer der Zwerge mit dem sich aufbäumenden Anhänger zusammen.

Ich lehne den Keeke 2 zum Ausladen daher mit der Schubstange z.B. an eine Wand und aktiviere die Feststellbremse. Sofällt der Anhänger eher nicht um. Alternativ: Lass deine Rabauken noch etwas sitzen und räume zunächst die schweren Sachen aus dem Kofferraum.

Am Bike: Kinder- und Lastentransporter

Etwas anders sieht die Geschichte am Fahrrad aus: Ist der Keke 2 am Bike angehängt kann er durch die Verlängerung der Deichsel garnicht kippen, dazu müssstest Du ihn weit über die Maximale Zuladung überladen. Und so kann er seine Stärken mit dem großen Kofferaum (54l) hier bestens ausspielen. Ob Badezeug und SUP, Kletterseil, -gurte und -karabiner, ein Kinderfahrrad oder zwei Laufräder – der Croozer Kid Keke 2 am Fahrrad macht hier eine gute Figur, solange er am Fahrrad hängt.

Der Croozer Kid Keeke 2 am Mountainbike (29er)

Der Kid Keeke 2 ist nicht für Mountainbikes gemacht, aber man kann ihn – mit gewissen Einschränkungen – am MTB verwenden. Am 29er mit 2,4 Zoll breiten Maxxis Ardent WT geht es in den meisten Situationen gerade noch. Nur wenn ich stark rechts einlenke – z.B. bein Wenden in engen Gassen – schleift der Reifen an der Deichsel. Noch fettere Reifen am 29er (Plus) können hier eher zum Problem werden. Gerade bei 29er E-MTBs mit fetten Reifen ist hier also Vorsicht geboten.

Abgesehen von der Zugstange, der sauteuren Steckachse und dem nervenden Buggyrad, lässt sich der Croozer aber gut am MTB über Wald- und Schotterwege bewegen.

Die Elastomerfederung funktioniert erstaunlich gut, so auch auf wurzeligen Waldwegen – bei entsprechend stark reduzierter Geschwindigkeit. Durch die Federung bremst der Anhänger auf Unebenheiten auch gefühlt weniger als sein ungefederter Vorgänger. Ein Wechsel auf breitere Balloonreifen, z.B. Schwalbe Big Ben oder Big Apple mit niedrigerem Luftdruck könnte die Fahreigenschaften aber noch verbessen.

Die Kleinen sitzen recht komfortabel, aber der Sitz ist für klassische Fahrradhelme ungeeignet, da diese dann hinten an der Lehne anstoßen und den Kopf weit nach vorne drücken. Wir haben mit dem Casco Helm Mini2 hier eine gute Lösung gefunden.

Große Mankos: Das Buggyrad und die Feststellbremse

Das Bauggyrad aus Vollgummi (oder Plastik) hab ich gedanklich schon häufiger entsorgt. Es ist sehr laut, eigentlich zu klein, und störrisch, wenn man die Achse des Buggyrads nicht regelmäßig schmiert. Außerdem muss man es zum Radeln abnehmen. Eigentlich eine Notlösung, mehr nicht. Warum es hier keine andere Lösung gibt ist mir unverständlich.

Die Feststellbremse ist an sich easy zu bedienen: Einfach den Hebel nach vorne zum Fahren und nach Hinten zum Halten – oder umgekehrt? Der Anhänger lässt sich inzwischen jedenfalls so oder so schieben – sogar von einem der 2-Jährigen Zwillingen. Ist die Bremse angezogen, spürt man einen leichten Widerstand, aber keine Blockade. Außerdem hört man ein dezentes Klackern, wenn der Bremszapfen durch die Arretier-Bohrungen holpert.

Die Bremse tut ihren Dienst noch, solange der Croozer nicht am Hang steht und schwer beladen ist. Zufriedenstellend ist sie aber nicht.

Fazit: Durchwachsen mit großem Laderaum und ordentlicher Federung

Der Kid Keeke 2 von Croozer ist ein solider Fahrradanhänger für 2 Kinder bis 6 Jahre (116cm). Trotz der Elastomerfederung ist der Croozer ein Stadtflitzer und nur beschränkt für’s Mountainbiken auf Waldwegen geeignet.

Der Anhänger ist nicht zu breit und eignet sich so gut für den Stadtverkehr. Auch wenn der Anhänger nicht traitauglich ist, funktioniert er am Mountainbike auch auf holprigen Waldwegen recht gut – richtige Steckachse und Kupplung vorausgesetzt.

Der Keeke2 ist begrenzt zum Joggen geeignet, verfügt aber nicht über eine Handbremse, und das Buggyrad kommt direkt aus der Hölle. Wer also einen Jogger mit Fahrradanhängerfunktion sucht, ist evtl. bei anderen Herstellern besser ausgehoben oder investiert 86€ für das Croozer Jogger Rad.

Wer den Keke 2 im Angebot deutlich reduziert bekommt (wie wir) kann meiner Meinung nach zuschlagen, er ist dann um gut die Hälfte billiger als der Gassenhauer von Thule. Aber ein Blick in Richtung Konkurrenz lohnt definitiv – Qeridoo bietet solide Technik mit cleveren Lösungen zum fairen Preis und Leggero hat Ökotex zertifizierte, sozial gefertigte Anhänger aus der Schweiz im Angebot. Beide sind auch gefedert.

Sollte es ein Einsitzer sein, rate ich Mountainbikern definitiv eher zom KoloFogo oder Tout Terrain Singletrailer – die machen offroad auch den Insassen mehr Spaß.

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