Überquerung Untersberg – Tag 1 – Hintergern bis Stöhrhaus


Unsere Tour aufgezeichnet mit Komoot. Die App zeigt immer die Zeit in Bewegung nicht die Gesamtzeit.

Heute steht die Überquerung des Untersberg an. Also zum Teil.  Aber mit zappelndem Zwerg in der Kraxe.
Da die Wanderung als Gruppenevent geplant ist, reisen wir mit 2 Autos nach Hintergern an. Das es in Hintergern 7 ausgewiesene Parkplätze, aber dafür fast kein Handynetz gibt, hätte man im Voraus einplanen können, so muss eben der Zufall nachhelfen, dass wir uns gegen 11:30 (etwas später als geplant) am letzten Parkplatz treffen.

Jetzt noch die Rucksäcke schultern, Mo in die Kraxe packen und… Sonnencreme vergessen. Also nochmal: Mit Sonnenschutz LSF 50 einschmieren, Mo in die Kraxe packen, Rucksäcke und Kraxe schultern und los!

Unsere Route geht zunächst über den Gerner Höhenweg auf Asphalt. Die hochsommerliche Sonne brennt uns ganz ordentlich auf den nicht vorhandenen Pelz.

Nach unseren ersten 700m Strecke und 70 Höhenmetern biegen wir auf den fein geschotterten Weg ein, der entlang einer Reihe niedriger Bäume und Büsche über eine Wiese endlich in den Schatten spendenden Wald führt. Hier ist es zwar weniger sonnig, aber dafür schwül-heiß. Die Steigung des Wegs bewegt sich zwischen entspannten 10 und saftigen 25 Prozent – ich schwitze gefühlt jeden Tropfen Wasser, den ich gierig aus meiner Trinkblase trinke, sofort wieder aus. Mo schläft in seiner Kraxe. Dreimal rutscht einer seiner Füße aus der Fußschlaufe, zweimal betten wir seinen Kopf wieder auf die Kopfstütze der Kraxe – Mo schläft. Ich bin jede Sekunde froh über die geliehenen Wanderstöcke. Zum einen kann ich so auch meine Arme zum „Anschieben“ mitverwenden, zum anderen wird der Tritt dadurch sicherer – auf dem losen Schotter besonders in den steilsten Passagen Gold wert

Nach etwa 300hm machen legen wir an einem Brunnen eine Jausenpause ein. Mo ist wieder wach. Und kaum zu bremsen: „DA! DA! DA!“ (WASSER!). Auch wir erfrischen uns am Quellwasser und stillen unseren Hunger. Erstaunlich, wieviel Energie man in so kurzer Zeit verbraucht – und in Form von Jausenbroten und Mannerschnitten wieder zuführen kann. Mo bleibt bei hartgekochtem Ei und Butterbrot.

Nach der Pause geht es relativ gemächlich weiter. Die Steigung ist erträglich (max. 12%), das erleichtert es dem Magen die Energie auch an Hirn und Beine weiterzuleiten. Mo genießt die sich jetzt auftuende Aussicht und deutet staunend Richtung Bergen, Büschen und Bäumen.

Just am Ende des flachen Stücks (die Steigung wird jetzt bis auf über 25% ansteigen) will Mo partout nicht mehr in der Kraxe sitzen bleiben. Er weint und strampelt, also wechseln wir ab und er darf in die Bauchtrage zu Mama. Ich übernehme dafür ihren Rucksack, er darf anstelle von Mo die Aussicht genießen. Etwas über eine Stunde gehen wir so über steile Serpentinen ohne ein Quäntchen Schatten in Sicht. Ab jetzt haben wir meistens unser Ziel, das Stöhrhaus auf etwa 1890m Seehöhe, im Blick.

Hier zeigen sich die Vor- und Nachteile der Ruckeli Babytrage: Mo schläft zwar, allerdings klagt die Mama über Schmerzen im unteren Rücken und sieht sich von der Belastung her schon in die Schwangerschaft zurückversetzt. Mo ist einfach schon etwas zu groß und schwer (etwa 10kg) für längere Trageeinheiten am Bauch. Außerdem schwitzen beide heftig und Mama muss Mo mittels am ausgestreckten Arm befestigten Windeltuch Schatten spenden.

Glücklicherweise kommt bald ein niedriges Holztor und dahinter eine Alm. Zeit für eine weitere Jausenpause. Mo ist wieder erholt und flitzt staunend über Steine und Almwiese, beobachtet geduldig riesige Ameisen, die über seinen Fuß laufen. Nach der ausgedehnten Pause darf er wieder zu mir in die Kraxe.

Die letzten 250hm legen wir trotz zunehmender Erschöpfung mit wachsender Geschwindigkeit und Begeisterung zurück. Immer wieder taucht das Stöhrhaus in unserem Blickfeld auf, wir wähnen deftiges Essen und kühle Getränke in greifbarer Nähe. Kurz vor unserem Ziel dürfen wir dann noch einen atemberaubenden Blick auf die Kletterwand unterhalb des Stöhrhauses werfen. Der Aufstieg hat sich wirklich gelohnt.

Blick auf die Kletterwand unterhalb des Stöhrhauses

Das Essen auf der Hütte erfüllte unsere Erwartungen zumindest geschmacklich, die Menge erschien uns allen zunächst zu wenig. Nur Mo war recht schnell satt vom Essen, er konnte es kaum erwarten der Terrasse zu inspizieren und den Gastraum der Hütte unsicher zu machen. immerhin blieb so noch etwas von Kindermenu (Frankfurter Würstl mit Schwarzbrot) für die Großen.

Zum Abschluss des Tages gibt es noch einen grandiosen Sonnenuntergang und Einblicke in die Bergungstechniken der Höhlenretter auf der Terrasse des Stöhrhauses.

Soviel zu Tag 1 unserer Untersbergüberquerung. Tag 2 folgt.

2 Kommentare bei „Überquerung Untersberg – Tag 1 – Hintergern bis Stöhrhaus“

  1. Wow, das ist echt tapfer, ein 10 kg schweres Kind in der Trage mit über den Berg zu schleppen. Wir haben das früher auch gemacht und ich kann Deine Schmerzen nachvollziehen. Aber es wird besser, versprochen…
    Viele liebe Grüße von Sanne

  2. […] Überquerung Untersberg – Tag 1 –  Hintergern bis Stöhrhaus […]

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