Zeit statt Zeug – und ein paar ruhige Tage. Eine persönliche Weihnachtsgeschichte.

Nun sind es nur noch wenige Tage bis zum (vor allem von den Kindern) heiß ersehnten Weihnachtsfest. Und wie alle Jahre artet die eigentlich besinnliche Feier meist in allerlei Hektik, Trubel und Stress aus. Geschenke wollen noch besorgt und liebevoll eingepackt werden, der Einkauf für die Feiertage erledigt (schließlich ist ja jedem klar, dass es nach Weihnachten keine Lebensmittel mehr geben wird… ), ein Menüplan erstellt und die Wohnung bis zum Familienbesuch auf Hochglanz poliert werden.

Alle Geschenke schon besorgt? Foto von Nathan Lemon auf Unsplash

Klingt so gar nicht nach Entspannung, Ruhe und „in sich gehen“. Oft wohl eher das Gegenteil. Die Hektik und das „auf den letzten Drücker“ doch noch was besorgen lässt uns keine Muse mehr um einfach mal abzuschalten und in uns reinhören, oder auch unseren Kindern zuzuhören und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen.

Da machen wir uns mit dem seblst auferlegten Mantra, dass für einen Tag alles perfekt, stimmig und romantisch – eben „weihnachtlich“ – zu sein hat so einen Stress, dass es am Ende anstrengend wird zu Entspannen. Perfekter Nährboden für den nächsten weihnachtlichen Familienstreit. Meh.

Vor einigen Jahren noch habe ich daher eher dazu tendiert, Weihnachten einfach ausfallen zu lassen. Zu flüchten und einfach gar nicht anwesend zu sein. Meist verband ich das mit einer längeren Reise ins Warme und so kam es, dass ich viele Weihnachten an einem weißen Sandstrand in Nicaragua, der Karibik oder den USA verbrachte. Nun dann kam Mo 2017 zur Welt und plötzlich hatte ich das Gefühl, Weihanchten müsse nun ja doch sein, und vor allem müsse es schön sein und man müsse es dabei allen recht machen. So kam es, dass wir – anstatt an den Feiertagen zu Entspannen – hunderte Kilometer durch die Gegend gurkten, da ja alle Familienmitgleider mit dem ersten Enkel Weihnachten feiern wollten. Der arme Zwerg, damals noch kein halbes Jahr alt, wusste ohnehin nicht, wie ihm geschah und Tom und ich waren am Ende einfach nur völlig gestresst.

Das zweite Weihnachten also musste anders werden, und ich verfiel in alte Muster und entschied für unsere kleine Familie wieder mal zu fliehen. Diesmal nach Arosa, ein traumhaftes Winterwunderland, in der Schweiz. Das war schon schön, vor allem, weil wir viel in der Natur waren und einfach nur Zeit für uns hatten. Aber um ehrlich zu sein, hatte es nun ja mit Weihnachten nicht wirklich was zu tun. Gut dem etwas über ein Jahr alten Mo war das recht egal, sind sie ja doch noch zu klein um Weihnachtsrituale zu verstehen.

Dieses Jahr haben wir es weder so noch so gemacht. Wir sind sozusagen durch die Adventszeit „geschlendert“, haben uns die Wochenenden eher frei gehalten und versucht so wenig Termine und „must do’s“ wie möglich einzuplanen. Wir haben uns also durch diese Vorweihnachtszeit treiben lassen, haben da und dort Kekse gebacken, wenn wir Lust dazu hatten oder auch ein paar ganz einfache Dinge gebastelt und die Wohnung damit ein klein wenig geschmückt.

Der Mini war stolz wie Oskar, dass seine Kunstwerke am Fenster hängen und freut sich über jede noch so kleine Kerze (am Meisten wenn er sie dann auch gleich auspusten darf). Dieses Jahr hatten wir viel Zeit, viel Platz um Dinge entstehen zu lassen und uns treiben zu lassen. Wir haben nichtmal Geschenke dieses Jahr. Gut, Mo bekommt ein bisschen Neues von den Großeltern und wir – Tom und ich – schenken uns 2 Tage „Paarzeit“ irgendwann nach den Feiertagen. Der Mini darf bei Oma und Opa toben und wir gönnen uns eine kleine Auszeit zu zweit. Aber im Grunde ist unser Ziel heuer nur zu entspannen und Qualitätszeit miteinander zu verbringen. Gut essen, auf der Couch lümmeln, ein paar schöne Stunden im Wald verbringen, uns vom Weihnachtsgeist verzaubern zu lassen und aufzutanken.

Wenn ihr eure Kinder in 20 Jahren fragen würdet, was für sie das Schönste an Weihnachten war, was würdet ihr euch wünschen, dass sie antworten?

Manchmal vergessen wir einfach, dass weniger oft mehr ist und vor allem die Kleinen viel mehr schätzen, wenn wir uns Zeit nehmen, mit ihnen zu spielen, ihnen zuzuhören, zu kuscheln und einfach mit ihnen ganz unmittelbar den Moment zu erleben. Kinder registrieren ganz genau die Stimmung ihrer Eltern, und spüren bzw. übernehmen auch den Stress, der uns manchmal so einnimmt. Und ja natürlich macht das alles oft noch unentspannter als ohnehin und wir begeben uns in einen kleinen Teufelskreis. Ich glaube unseren Kindern ist es egal, ob die Wohnung perfekt festlich dekoriert ist, ob die neuesten Dinge unterm Weihnachtsbaum liegen, die Wohnung blitzeblank geputzt ist und alles „perfekt“ gestaltet. Es sind die (be)sinnlichen Momente, die in Erinnerung bleiben, in denen sie sich geborgen und wahrgenommen fühlen. Diese Momente lassen sich nicht kreieren und planen, die sind einfach da, wie ein Überraschungsgast auf der jählichen Weihnachtsfeier, wenn man ihnen Zei, Raum und Ruhe lässt, sich zu entfalten.

In dem Sinne wünschen wir euch ein schönes Fest, Tage voller Zeit und magischer Momente, ein glückliches Beisammensein mit euren Liebsten und Erholung zum Jahresabschluss.

Ein Kommentar bei „Zeit statt Zeug – und ein paar ruhige Tage. Eine persönliche Weihnachtsgeschichte.“

  1. Hallo Kristina,

    damit hast du vollkommen recht. Man muss die Zeit gemeinsam mehr genießen und Freude daran haben! Es geht um die Zeit die man hat und nicht die Geschenke. Ich bin so froh, dass unser Zwerg auch mit seinen 4,5 Jahren noch keinen Wunschzettel hat. Er will nichts. Er sagt er ist glücklich so und möchte nur mit unser verreisen. Momentan versteht er wohl noch nicht welch Glück er hat, aber ich denke, wenn er älter wird, wird er merken wie wunderbar es ist, wenn Mama und Papa einfach viel Zeit haben.

    Wir wünschen Euch ein tolles Fest, frohe Feiertag und alles Gute!
    Mel

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