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Eindrucksvolle Mehrtagestour durchs Tote Gebirge

von Tom

Landschaften wie aus einer Filmkulisse: Hochalpine Steige, kristallklare, eiskalte Bergseen, neugierige Gämsen, niedrige Kiefernwälder, verdammt tiefe Karstspalten und sympathische Hütten mit fantastischem Essen – unsere Mehrtagestour durchs Tote Gebirge in der Steiermark scheint mit Superlativen nur so um sich zu werfen. Im Folgenden bekommt ihr einen Einblick in unsere Etappen und unsere persönlichen Highlights.

1. Etappe: Vom Grundlsee zur Pühringerhütte

Der Legende nach soll Erzherzog Johann auf diesem Weg die Erstbeschreitung des Toten Gebirges gestartet haben. Wir können der Wahl des Startpunkts nur Zustimmen. Der Grundlsee ist an sich schon eine Reise wert. Eingerahmt von einigen 2000er und in Einzugsgebiet des Dachsteinmassivs liegt er – besonders kurz vor Sonnenaufgang – da wie ein Spiegel. Solltet ihr vor Ort übernachten wollen um gleich in der zu Früh starten, empfehlen wir euch rechtzeitig einen Platz am Campingplatz zu reservieren – da dieser offenbar recht gut gebucht ist. Das „Campieren und schlafen im Auto“ ist nämlich auf allen der unzähligen „kostenpflichtigen Privatparkplätzen“ entlang des Sees verboten. Euer Auto darf aber selbstverständlich schon dort übernachten – sodass einer Mehrtagestour hier nichts im Wege steht. Ein Zweitagesticket kostet 15€, drei Tage 20€.

Wir starten am Westufer der Grundlsees in der Nähe des Campingplatzes. Wir gehen noch kurz durch das idyllische Gößl um dann gleich nach oben abzubiegen. Wir steigen hier gleich auf einem Wanderweg mit ca 20% Steigung ein um uns dann die nächsten 4km bis zum vorderen Lahngangsee mit 17-30% fast alle Höhenmeter der Etappe zu „erkämpfen“. Der Weg hier hat am Anfang zwar nicht viele beeindruckende Ausblicke ist aber durchaus vielseitig, und wird nach oben hin immer besser – aber auch immer steiler. Es geht durch vielfältige Wälder, saftige Almwiesen und ausgesetzte Geröllpfade hinauf, bis endlich der Vordere Lahngangsee vor uns liegt – trotz einiger einiger im eiskalten Wasser badender Wanderer wie ein türkis-grüner Spiegel. Wir nutzen die Gelegenheit zum Energieauftanken und Jausnen. Da mit uns auch die Wolken am See aufgezogen sind, verkneifen wir uns erstmal den verdienten Sprung uns kühle Nass und gehen weiter. Kurz vor Ende des Sees zeigt sich die Sonne dann aber doch nochmal und wir staksen an einer sehr steilen Stelle mit viel losem Geröll ins Wasser. Erfrischend war’s auf jeden Fall, wir würden euch aber eher die Seeseite am Aufgang empfehlen, da rutscht man nicht immer wieder mit dem Geröll ins Wasser zurück.

Erfrischt geht es weiter zum hinteren Langgangsee – bzw. darüber, denn der Weg verläuft 60 – 80m oberhalb des kleineren Sees. Den See kann man leider nur von einem Aussichtspunkt sehen. Nachdem wir uns vom Anblick des Sees losgerissen haben, geht es weiter vorbei am Salzofen (2070m), der Elmgrube, und dem kleinen und großen Windloch. Das kleine Windloch liegt gut sichtbar links des Weges. Hier pfeift der Wind aus dem unterirdischen Karsthöhlensystem – und zwar stark genung dass einem Grasbüschel, Blätter und kline Zweige wieder entgegenfliegen, wenn man sie geschickt in den Luftzug bugsiert. Offenbar sollen es schon so mancher Wanderer mit seinem Hut versucht haben um diesen dann enttäuscht im Loch verschwinden zu sehen. Wir haben’s nicht ausprobiert, ihr seid aber hiermit gewarnt ;). Das Große Windloch finden wir nicht auf die schnelle, aber der Drang endlich auf der Pühringerhütte anzukommen ist auch größer. Und so gehen wir beschwingt vom Gedanken an eine warme Mahlzeit und einen Schluck kühles Bier schnell weiter, vorbei an Emil’s Tränenhügel und dem Elmsee – an dessen Ende uns endlich die Pühringerhütte erwartet.

Das Team der Pühringerhütte ist super nett und auch die Speisen (sowohl vegetarisch/vegan als auch deftig mit Fleisch) sind wirklich guat – die Kaspressknödelsuppe ist unser Geheimtipp als erster Snack nach dem Ankommen! Die Pächter Franz und Anita stellen sich jedem Gast der Hütte persönlich vor, und man wird familiär unhegt. Wie Anita es schafft sich alle Namen zu merken ist uns aber ein Rätsel. Wir übernachten in einem der Bettenlager direkt unterm Dach mit ca. 14 anderen Hüttengästen. Da wird’s auch trotz offenem Fenster schnell ein wenig stickig. Tipp: In den unteren Betten soll es besser sein.

Tag 2

Wir nehmen uns eigentlich vor, schon um 6:00 ohne Frühstück zu starten um den Sonnenaufgang zu genießen und uns dann eine Jause und Kaffee am Berg zu gönnen – leider verschlafe ich und wache erst kurz vor Check-out um 8:13 Uhr auf. Also keine Wanderung in den Sonnenaufgang – wobei – der wird vom mächtigen Rotgeschirr eh ziemlich verzögert. Also trinken wir noch einen Kaffee auf der Hütte und packen uns zusammen. Jetzt noch schnell die Trinkblase auffüllen. Kristina hat noch Glück, dann gibt es plötzlich kein Wasser mehr. Wegen des trockenen Sommers mit viel zu wenig Regen und vielen Gästen ist die gesamte Wasserversorgung der Hütte am Limit. Quellen gibt es hier nur wenige und das Regenwasser versickert meist gleich in den Karstspalten. Ich kaufe dem nun leicht gestressten Hüttenwirt noch eine Flasche Mineralwasser ab und befülle meine Trinkblase damit.

Dann gehen wir über den „Handyplatz“ über einen Jägersteig bis zum Hochbrett. Dieser Weg mit eigentlich nur knapp 500hm hat es in sich und ist echt abenteuerlich. Der Weg ist nur mit „Stoanamandln“ markiert – und das auch nur im unteren bis mittleren Bereich. Weiter oben verlieren wir die Steinhaufenmarken aus den Augen, dafür stehn wir immer mal wieder vor einer Felsspalte die sich schwarz gähnend vor uns auftut. Der Weg erfordert höchste Konzentration, absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung. Es sind auch immer mal wieder kleine Kletterpartien oder sehr steile Abschnitte zu meistern, das karstige Gestein ist manchmal auch sehr lose.

Dafür treffen wir auf dem gesamten Steig niemanden, außer einige Gämsen, die uns – wenn auch aus sicherer Entfernung neugierig beäugen. Nach 3 Stunden erreichen wir schließlich das Hochbrett und lassen den Hochkogel links und die „Almtaler Sonnenuhr“ rechts liegen steigen auf der anderen Seite durch ähnliches Gelände wieder ab. Glücklicherweise tauchen die Stoanamandln wieder auf. Wir müssen uns trotzdem aber immer wieder am GPS orientieren. In einer Senke taucht schließlich Gras und sogar ein kleiner Tümpel auf, und wir sind erleichtert die Felsenwüste hinter uns gelassen zu haben. Hier sind auch die Steinmarkierungen wieder besser sichtbar, so geht es mit erhöhtem Tempo voran, bis wir endlich auf den markierten Wanderweg 213 stoßen. Waren in den letzten Stunden meist gar keine Markierungen zu sehen, leuchtet nun alle paar Meter der rot-weiß-rote Streifen. Gut, denn unsere Smartphones sind inzwischen beide im Stromsparmodus und taugen nicht mehr wirklich zur Navigation.

Solltet ihr eine Wanderung über einen solchen Weg planen, sollet ihr mindestens eine volle Powerbank dabei, das Kartenmaterial im Tal bereits heruntergeladen und im besten Fall auch in der Lage sein mit einer Papierkarte zu navigieren – und diese auch dabei haben!

Wir fogend dem Grieskarsteig bis wir unterhalb des Wildgößl „in den Wiesen“ auf satte Hochmoorwiesen, Wollgras und den Weitwanderweg Via Alpina stoßen, dem wir fortan folgen. Die Landschaft ändert sich nochmals massiv. Denn auch wenn uns die karstigen 2000er und fast-2000er von oben beobachten, ist nun immer reichlich Grün (Gras, Latschen & Lerchen) und Bunt (Bergblumen) im Blick. Nur die „Wiesenlacke“ schaut sehr traurig aus, ist doch das flache Gewässer fast vollständig ausgetrocknet und nur noch ein riesiges Gatschloch.

Die letzten Kilometer ziehen sich dann doch länger als gedacht. Die Navigation in Komoot ist längst deaktiviert und der Blick auf die berechnete Entfernung zum AlbertAppel-Haus (Luftlinie) ist müßig, müssen wir doch um so manchen Berg herumgehen.

Als wir endlich gegen 16:00 Uhr beim Albert Appel-Haus ankommen, klopft gerade ein Hubschrauber über uns hinweg in Richtung Hütte. Es ist schließlich Mariä Himmelfahrt und so fliegt der Heli alle, die nicht mehr gehen können (oder wollen) zur Bergmess‘. Ob das in Zeiten von Klimakriese und Energiekriese sein muss, dürft ihr selbst entscheiden. Andererseits – die Berghütten können oft auch nur per Heli beliefert werden – so ist dann auch die Hüttentour per pedes nicht wirklich klimaneutral…

Wir freuen uns jedenfalls endlich an unserem Etappenziel angekommen zu sein und das auch noch kurz bevor das Donnergrollen zum ausgewachsenen Hagelsturm mit Starkregen wird. Glück gehabt. Und das gleich doppelt, denn wir entscheiden uns wegen des Wetters den finalen 3,5h Abstieg zum Grundlsee auf den folgenden Tag zu verschieben und bekommen auch ohne Reservierung noch zwei Betten in einem der Vierbettzimmer. Grundsätzlich ist es aber gerade bei Touren an verlängerten Wochenenden sehr ratsam den Schlafplatz im Voraus zu reservieren – nicht erst wenn man am Berg merkt, dass man keinen Empfang hat 😅.

Tag 3: Abstieg zum Grundlsee

Am morgen starten wir vor Sonnenaufgang, nachdem wir uns vor der Hütte noch einen Kaffee aus der Bialetti vom Gaskocher gegönnt haben. Aus der erhofften „goldenen Stunde“ (die perfekte Lichtstimmung zum Fotografieren) wird wegen der Wolken leider nix. Dafür stellt sich uns immer mal wieder die ein oder andere Almkuh in den Weg. Wir machen große Bögen – so früh am Morgen suchen wir keinen Streit. Der Weg mäandert über die Brunnwiesenalm bis kurz vorm Backenstein recht gemütlich dahin. Dann wird aber klar warum die Route schwarz markiert ist: Es folgt ein sehr steiles Stück Weg auf losem Geröll in Serpentinen bis zum Almbergloch. Selbst die zwei Gämsen von Nebenan bringen hier das Geröll zum Rutschen. Der Weg wird nun immer flacher und entspannter zu gehen, bis er schließlich in eine Forststraße mündet, die uns in Tal bringt. Wir verpassen leider den Abzweig auf den VIEL kürzeren und weniger langweiligen Wanderweg, erreichen dann aber endlich & glücklich den wunderbar eiskalten Grundlsee. Nur: von hier aus sind es noch 4km entlang der Uferstraße bis zu unserem Parkplatz. Zum Glück nimmt mich ein netter Mitarbeiter der Gemeinde mit und so haben wir noch ein wenig Zeit am See, bevor wir wieder zurück nach Salzburg fahren.

Unser Wandererlebnis als Podcast:

Auf unserer Offline-Tour haben wir immer wieder Audiodateien aufgezeichnet, die unsere Gedanken und Schilderungen vor Ort wiedergeben. Das Ergebnis ist ein 15minütiger Podcast als Audiotagebuch der Tour 🙂

Die Routenplanung auf Komoot:

2 Kommentare

Tom 14. September 2022 - 11:27

Unsere Jungs wollten schon immer mal ne Hüttentour machen. Bis jetzt hatten wir leider noch keine Gelegenheit. Aber das ist ne tolle Inspiration für unsere Planungen.

Antworten
Lisa und die Rabauken vom See 23. September 2022 - 08:25

Das klingt ja richtig abenteuerlich. Wenn meine Jungs etwas älter sind, möchte ich auch unbedingt mal eine Hüttentour mit ihnen machen.

Liebe Grüße

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