Zeigt her eure Zähne

Es ist für die meisten Anfang und Ende, Alpha und Omega eines jeden Tages, unverzichtbarer Bestandteil der täglichen Routine. Wenn es mal wegfällt, verfolgt es einen meist den ganzen Tag. Wir haben es in der Kindheit mühsam gelernt, und über die Jahre eine feste Routine mit persönlichen Vorlieben entwickelt. Zähneputzen gehört einfach zu jedem Tag dazu. Doof nur, dass die meisten konventionellen Zahnputzprodukte aus (Wegwerf-)Plastik gemacht und in (Wegwerf-)Plastik-Verpackungen daherkommen. Sogar Zahnpasta gibt es mit Microplastik: Als Emulgator und Polierteilchen machen Sie die minzige Paste schön sämig und die Beisserchen weiß. Und die Plastik-Partikel laden nicht nur direkt im Wasserkreislauf sondern auch noch in unserem Organismus. Gibt’s dazu eigentlich keine Alternative? Ähm, doch. Reichlich. Im Folgenden haben wir euch die uns bekannten Lösungen aufgezählt. Viel Spaß beim Schmökern und nicht vergessen: Nach dem Putzen Mund ausspülen!

Putzen mit Holz/Bambus statt Plastik

Anstatt der üblichen Plastikzahnbürsten kann man ganz einfach welche aus Holz verwenden. Diese sind nicht nur sehr schön anzusehen, sondern auch biologisch abbaubar und können auf dem Kompost entsorgt werden (vorausgesetzt die Borsten sind auch aus Naturfasern gefertigt, ansonsten zieht man die Borsten mit einer Zange und entsorgt sie im Restmüll und den Rest am Kompost). Solche Bambuszahnbürsten gibts nicht nur für Große, sondern werden auch in Kindergrößen angefertigt. Es Bedarf kurzer Gewöhnung, anfänglich ist das Holz-im-Mund-Gefühl etwas merkwürdig. Wenn man sich dabei aber vorstellt, auf welch schädliche Beikost (z.B. Weichmacher, PAKs und ähnliches Klump) man dann verzichtet, gehts ganz schnell.

Was ist daran nun nachhaltiger? Auch wenn Bambus Importware ist: es ist einer der am schnellsten nachwachsenden Rohstoffe, biologisch komplett abbaubar, benötigt kaum Dünger und wächst wie irre. Der riesige Berg an Plastikzahnbürsten der jedes Jahr am Müll landet kann somit reduziert werden. Achtet beim Kauf aber darauf, dass das Produkt FSC-zertifiziert ist. Wer auf Bambus lieber verzichten möchte, findet auch Zahnbürsten aus heimischen Hölzern.

Was gibt’s für Alternativen zur Zahnpastatube?

Zu dem Thema – weil wir keinesfalls Karies oder ähnliches riskieren wollten – haben wir neben unerer Recherche auch unseren Zahnarzt befragt. Mit der Frage nach verpackungsarmen Alternativen war er zwar eher überfragt, gab im Gespräch aber den Hinweis, dass bei gründlicher Zahnreinigung solche nichteinmal notwendig wäre. Das heißt, wer seine Zähne ordentlich putzt, und selten ungesund-Saure Lebensmittel konsumiert, für den ist die Zahnpasta eher ein Add-on mit gutem Geschmack. Weil wir auf das Frischegefühl von derartigen Pflegeprodukten nun doch nicht recht verzichten können, haben wir einiges an Alternativen ausprobiert und stellen euch diese folgend kurz vor.

1. Zahnputztabletten

Mit den Zahnputztabletten ist es ähnlich wie mit festem Shampoo. Sie unterscheiden sich nicht groß von der Pasta aus der Tube, nur dass sie fest sind und meist auf künstliche Zusatzstoffe verzichten. Die feste Form machts möglich. Tablette zerkauen (nicht schlucken), putzen, ausspucken, spülen, fertig. Die Tabletten gibt es mit und ohne Fluorid, sie schäumen aber nicht, wohl der größte Entwöhnungspunkt daran. DM Deutschland führt die Tabletten im Verpackungsarmen Nachfüllpack, in Unverpacktläden oder z.B. beim Biosupermarkt in Salzburg Süd gibts die Tabletten auch einzeln/lose zu kaufen.

2. Zahnpasta von Villa Lavanda im Glasflacon

Die Zahnpasta ist gut, gewöhnungsbedürftig einfach nur deshalb, weil die Konsistenz etwas flüssiger ist als die von konventionellen Produkten, sie aus einem Pumpspender entnommen wird und nicht schäumt. Der Flacon wirkt eher klein, ist aber dennoch ergiebig und sie schmeckt gut (nicht zu intensiv, aber sehr frisch). Das Produkt gibt es auch für Kinder in zwei Geschmackssorten und Mo mag die Zahnpasta sehr gerne. Den Flacon kann man ggf. auch verwenden um danach eine selbstgemachte Zahncreme einzufüllen. Ansonsten kommt hier der Glasflacon ins Altglas und der Pumpspender wird fürs neue Fläschchen wiederverwendet. Die Metalldeckel der Flaschen können zu Villa Lavanda zurückgeschickt werden und werden dort weiterverarbeitet und recycelt. Etwas merkwürdig mutet jedoch das transparente Folienetikett des Flacons an – darauf das Wort plasticfree zu druck wirkt irgendwie komisch.

3. selbstgemachte Zahnpasta

Wenn man im Internet zu suchen beginnt, stößt man auf unzählige Rezepte für Zahnpasta. Ich für meinen Teil war hier anfangs echt überfordert, und hab mich deshalb entschieden, erst mal alle anderen Alternativen durchzuprobieren. Irgendwann kam ich aber nicht drum rum es auszuprobieren: Grundsätzlich kann man Zahncremes ja von ganz simpel bis richtig kompliziert selber herstellen.

Mein Einsteigerrezept

ist ein Rezept von Sonnentor. Dafür brauchst du:

10g Birkenzucker, 5g Natron, 1EL Bio-Kokosöl, 1 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl. Auch Teebaumöl funktioniert hier wahlweise oder in Kombination sehr gut und wirkt zusätzlich antibakteriell, antiviral und fugizid.

Alle Zutaten vermengen und in ein sauberes Schraubglas füllen – fertig. Einfach die Zahnbürste in die Zahncreme tauchen und losputzen. Ich hab meine in den leeren Pumpspender von Villa Lavanda gefüllt, funktioniert super!

Was ihr zu den Zutaten wissen solltet: Birkenzucker ist karieshemmend und ist in fast jeder Zahncreme vorhanden, Kokosöl wirkt antibakteriell, Natron ist quasi der Polierkörper und wirkt aufhellend und das ätherische Öl macht guten Geschmack und wirkt entzündungshemmend.
Ihr solltet unbedingt darauf achten, dass ihr nur hochwertige Bioprodukte ohne Konservierungsstoffe o.ä. verwendet

4. Zahnöl

Ölziehen ist auch im Ayuveda eine bekannte Heilmethode und soll verhindern, dass durch den Mundraum Bakterien und Krankheitserreger in das Innere des Körpers gelangen.

Wir hatten das von Ringana ausprobiert. Ich mochte den Geschmack und das Gefühl hinterher im Mund, muss allerdings sagen, dass es verhältnismäßig teuer ist und das mit Plastikfrei nur so halb wahr ist. Der Flacon ist aus abbaubarem Kunststoff, die Verpackung ist und bleibt aber ein Wegwerfprodukt, das in den Restmüll muss. Und da das Öl nicht sehr ergiebig ist fällt wieder relativ viel Müll an. Ich würde das fast ein bisschen unter Greenwashing einreihen. Biologisch abbaubar heißt beim Kunststoff ja leider nicht, dass er innerhalb weniger Wochen am Kompost verrottet. Das wäre auch eher unpraktisch für eine Ölflsche. Aber es geht hier ja nicht um das Firmenkonzept von Ringana.

Aber auch Zahnöl kann man selber herstellen. Hier ein Rezeptvorschlag aus dem Buch von Smarticular Selber machen statt kaufen. Dafür benötigst du 100ml Olivenöl und 30 – 40g frischer Salbei oder Petersilie. Die beiden Zutaten mit einem Pürierstab gut durchmixen und in eine saubere Flasche füllen. Das Öl hält sich im Kühlschrank gut 6 Wochen.

Für die Mundhygiene 1 EL davon in den Mundraum geben und immer in Bewegung halten (durch die Zahnzwischenräume spülen), optimal wäre eine Anwendungsdauer von mindestens 10 Minuten. Danach Öl ausspucken und mit Wasser nachspülen.

5. Zahncremes in Metalltuben

Ab und zu kommt man ums Kaufen ja nicht drum herum, dann wäre eine Möglichkeit, auf Zahncremes in Metalltuben zurückzugreifen. Diese sind bedeutend besser zu recyceln als Plastiktuben und können im Metallcontainer entsorgt werden. Aufgepasst: Aluminium lässt sich zwar recht gut recyclen, wird aber meist frisch aus Bauxit gewonnen. Das ganze ist eine ziehmliche Katastrophe für die Umwelt. Also: Auch Aluminium-Tuben sind nicht das gelbe vom Zahn, äh, Ei.

Zahnseide und Zungenschaber

Für Zahnseide gibt es bis dato leider in keinster Weise eine wirklich zufriedenstellende Alternative. Entweder man benutzt Naturseide (für diese Option müssen leider viele Raupen ihr Leben auf grausame Art lassen) oder man benutzt Nylon, das nicht biologisch abbaubar ist. Was man aber tun kann: Beim Kauf darauf achten, das Produkt möglichst verpackungsarm/-frei zu erstehen (z.B. in einem Unverpackt Laden). Es gibt hier schon toll aussehende und nachfüllbare Behälter aus Glas mit Metallverschluss. Nach Benutzung sollte man Zahnseide unbedingt mit dem Hausmüll entsorgen. Keinesfalls sollte sie in der Toilette oder der freien Natur landen.

Zungenschaber gibts aus Metall zu kaufen, oder man benutzt ganz einfach einen Teelöffel (upside-down). Hat die gleiche Wirkung und kostet nix (wenn man nicht völlig minimalistisch ohne Teelöffel lebt).

Mundspülung

Mundspülung haben wir schon im Glasflacon von Weleda gefunden und ausprobiert. Diese ist sehr ergiebig, da man nur wenige Tropfen mit Wasser vermengt gurgelt. Sehr erfrischend, eher scharf im Geschmack. Der Schraubverschluss aus Plastik bleibt, aber immerhin ist der Plastikmüll sehr reduziert.

Auch hier gibts Alternativen zum Selbermachen. 1-2 Tropfen Teebaumöl ins Wasser – spülen – fresh. Starkes Teeextrakt aus Salbei oder Kamille wirkt ebenfalls antibakteriell. Oder ihr macht eine Mundspülung die der selbstgemachten Zahncreme sehr ähnlich ist: 500ml lauwarmes Wasser, 40g Birkenzucker, 2TL Natron, 10 Tropfen ätherisches Öl. Alles in eine Flasche geben, ordentlich schütteln bis die Zutaten gut vermengt sind, fertig.

Es gibt noch reichlich weitere Alternativen, die sich aber eher weiter von der gewohnten Routine entfernen (Zähne putzen mit Kokosöl, Miswāk [Zweige vom Zahnbürstenbaum], usw.). Wir werden sie bei Gelegenheit testen und mit unserem Zahnarzt besprechen. In diesem Sinne: Nach dem Trinken, nach dem Essen – Zähneputzen nicht vergessen.

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9 Kommentare bei „Zeigt her eure Zähne“

  1. Wir benutzen auch das SonneTorRezept….ist großartig!

  2. Ich habe das Zahnputzpulver von Birkengold ausprobiert, nicht ganz günstig aber angenehmer als davor vermutet. Glasbehälter mit Metalldeckel, gibt auch Nachfüllung dazu.
    Herzlich Platz-nehmerin

    1. Ja von dem Zahnputzpulver hab ich auch schon gehört, das muss ich mal testen. Danke für den Hinweis!

  3. Ich benutze seit einem halben Jahr selbstgemachte Zahnpasta und hab verschiedene Rezepte probiert. Hab mich dann schließlich auch auf die Basics reduziert, wie im Rezept oben beschrieben. Außerdem, liefhack: In eine kleine Zuckerldose gefüllt ist die Zahnpasta für den Transport sogar um einiges praktischer! Das gilt auch für selbstgemachtes Deo!

    1. Danke für deine Rückmeldung! Ich bin mit dem Geschmack und dem Kokosöl nicht 100% happy, aber ich glaube werde da einfach noch einiges ausprobieren.

  4. Avatar Sylvia Dreyer sagt: Antworten

    Ich putze seit vielen Jahren mit Schlämmkreide, hatte ich im Greenpeace-magazin gelesen. Es reinigt total gut und ohne Geschmack, was mir besonders gefällt. Meine Zahnärztin ist immer ganz beglückt über meine Zähne. Ich kaufe 1 kg im Internet, weil ich es leider nirgends im Laden gefunden habe und befülle (leider) aus der Plastiktüte immer ein kleines Honigglas. Mit der trockenen Zahnbürste etwas herausholen und putzen 🙂

    1. Super Idee, Sylvia! danke, das werde ich definitiv mal probieren!

  5. Ich benutze die Zahncreme im Glas von Evelia Kosmetik und bin sehr zufrieden damit. Es ist ein Zahnöl auf Kokosöl Basis. Dadurch daß es in einem kleinen Gläschen ist, kann man es restlos aufbrauchen und das Glas dann weiter verwenden!

  6. Von Ben & Anna gibts eine im glastiegel mit kleinem Holz Spachtel. Perfekt für alle die auch noch nach einer Zahnpasta suchen, die der „normalen“ sehr ähnlich ist.

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